Gastbeitrag: Classic Days Schloss Dyck 2017

Von Tobias Hoffmeister

Nachdem ich im letzten Jahr das legendäre Festival of Speed und das noch legendärere Goodwood Revival besucht hatte, war in mir der Wunsch geboren ähnlich geartete Veranstaltungen im Sommer 2017 in Deutschland aufzusuchen. Bisher hatte ich mich stets auf Old- und Youngtimerevents in Berlin und Brandenburg beschränkt, das Angebot ist ja auch groß genug und saisonfüllend.

Aus der Zeitschrift Motor Klassik waren mir die Classic Days auf Schloss Dyck bereits ein Begriff. Die abgebildeten Klassiker, welche eine von Strohballen flankierte Allee passieren, waren schon lange im Hinterkopf abgespeichert. Ich recherchierte also ein wenig und stellte fest: Wenn es ein deutsches Goodwood Revival gibt, dann müssen es die Classic Days auf Schloss Dyck sein. Also Tickets bestellt und voller Vorfreude auf das erste Augustwochenende gewartet. Der Besuch wurde direkt in den Sommerurlaub eingeplant. Wir hatten im Mai einen Mercedes-Benz L409 einer Feuerwehr erstanden und bauten diesen zum Camper um. Ein Roadtrip durch Deutschland stand an und das einzig gesetzte Ziel sollte Schloss Dyck sein.

 

Die Nacht zuvor hatten wir auf einem Bauernhof 120km entfernt verbracht. Ich bestand auf frühes Aufstehen, um möglichst den ganzen Tag auf den Classic Days verbringen zu können. Der Tag startete allerdings grau und kurz nach Fahrtanbruch begann es zu regnen. Aber die Hoffnung stirbt vermeintlich zuletzt. Unser Zielort lag ja auch noch über 100km entfernt, dort würde bestimmt die Sonne scheinen. Und tatsächlich, nach einer halben Stunde Fahrt riss der Himmel wieder langsam auf. Nur leider verdunkelte er sich auch doppelt so schnell wieder. Sintflutartige Regenschauer strömten auf uns nieder. Das höchste Intervall des Scheibenwischers war bemüht die Wassermassen von der Scheibe zu wischen.

Je näher wir Jüchen kamen, desto mehr Oldtimer überholten uns – ich liebe dieses Schauspiel auf dem Weg zu einem Oldtimerevent. Man bekommt dann langsam das Gefühl, dass man nicht der einzige Freak ist, der extra früh aufsteht, nur um sich den ganzen Tag alte Autos anzuschauen.

Der frühe Start ging auch mit der Spekulation einher, mit unserem Oldtimer/ Feuerwehr/ Camper auf dem Dycker Feld parken zu können. Ohne Anmeldung und das Einholen näherer Informationen versuchten wir unser Glück und wurden belohnt. Das im Regen stehende Personal ließ sich die Laune nicht verderben und wies uns gut gelaunt den Weg zum Stellplatz. Wir parkten ziemlich weit ab, am Rand des Feldes, hatten dafür aber exzellente Gesellschaft – neben uns standen ein C123 280CE und eine ID 19. Was will man mehr?! Achja, vielleicht dass der Regen nachlässt…
Das tat er leider nicht. Meine Freundin blieb direkt im Wagen und kuschelte sich nochmal ins Bett – praktisch so ein Camper beim Oldtimerevent.

 

Ich machte mich zur Erkundung des Geländes auf. Der Regen hatte auch sein Gutes, nämlich sehr wenige Besucher. Oldtimer waren aber bereits viele angereist. Und frisch polierte, chromglänzende Klassiker mit abperlenden Regentropfen geben auch ein wunderschönes Bild ab. Schon der erste Eindruck ließ viele Parallelen zum Goodwood Revival zu. Überall Strohballen und liebevoll gestaltete Hinweisschilder und Dekoelemente. Die Mitarbeiter trugen verschiedenste Outfits aus vergangenen Zeiten. Und auch viele Besucher hatten sich beim modischen Vorbild ihrer Lieblingsdekade des letzten Jahrhunderts bedient. Ein großartiger Anblick, trotz Regen. Und hey, wann sieht man schon mal, bei einem kükengelben Porsche 356 die filigranen Scheibenwischer in Aktion?! Ich drehte also meine Runde, schoss viele Bilder mit wenigen, störenden Menschen im Hintergrund und erfreute mich an dem Park und seinen Exponaten rund ums Schloss Dyck. Lautsprecherdurchsagen hielten mich auf dem Laufenden, welche Rennen gerade gefahren werden und was für Events als nächstes anstehen. Auf dem Gelände verteilt gab es viele Stände, an denen alles rundum die Oldtimerei und natürlich viel Essen gekauft werden konnte. Von passender Kleidung, über Bilder, Teile, Zubehör und Dienstleistungen war alles vertreten. Natürlich hatten auch die Fahrzeughersteller eigene Stände. Volvos Exponate überzeugten am meisten.

 

Wie das Wetter ist, werdet ihr euch fragen. Und habt dabei sicher schon bemerkt, dass mir der Regen mittlerweile ziemlich egal war, denn es gab Oldtimer zu sehen. Sehr viele, sehr schöne. Man könnte meinen, ich war abgelenkt. Ich muss aber auch zugeben, dass aus den sintflutartigen Schauern schon längst nur noch Nieselregel geworden war. Die Wiesen und Wege waren allerdings arg aufgeweicht und hielten viele Pfützen und Schlammlöcher für unaufmerksame Besucher bereit. Wichtigster Tipp daher – egal ob Goodwood oder Schloss Dyck: Wanderstiefel und eine Regenjacke kann man sich ruhig in den Kofferraum legen.

Nachdem der Himmel aufgeklart war, stieß auch meine bessere Hälfte zu mir. Und mit ihr hatte sich der Besucherstrom generell erhöht. Das weitläufige Gelände sorgte aber für eine angenehme Verteilung aller Besucher. Wir machten uns sofort auf ins Schloss. Hier ist das „alte Fahrerlager“ stationiert und – noch viel wichtiger – der „Jewels in the Park“ genannte Concours d’Elegance. Mein allererster übrigens. Und ein toller noch dazu. Wunderschöne und seltene Fahrzeuge in angemessenem Abstand aufgereiht, im Hintergrund das hübsche Wasserschloss Dyck – eine tolle Kulisse! In der angrenzenden Gartenanlage waren zu unserer Begeisterung Sonderausstellungen zum Thema Camping (tolle, originale Bullis und verschiedenste Wohnwagen), Wirtschaftswunderfahrzeuge und Mobile mit historischen Werbebotschaften ausgestellt. Auf einem anderen Areal hatte sich der Benyafield Racing Club breitgemacht. Diese britischen Jungs sind aus England auf eigener Achse in ihren Bentley 4½ Litre angereist und drehten auch ein paar Runden über die Dycker Strecke. Mit dabei der, weit und breit, älteste Wohnwagen von 1928 mit Bleiglasfenstern.
Wir schauten auch im „neuen Fahrerlager“ und auf der „Cherry Lane“ vorbei. Coys hatte hier zur Versteigerung geladen – unüblich war allerdings, dass jeder ins Zelt und an die zu versteigernden Fahrzeuge konnte. Im Angebot waren tolle Fahrzeuge welche zweifelsohne atemberaubende Preise erzielt haben. Im Dycker Feld stellten verschiedenste Old- und Youngtimer-Clubs aus.

 

Alles in allem ein sehr gelungenes Event. Das Ambiente ist einfach klasse und passt wunderbar zu den ausgestellten Fahrzeugen. Die Rennveranstaltung lief eher am Rande ab. Immerhin sorgte sie für tollen Sound und Abgasgerüche. Es ist dann aber doch eher ein Schaufahren nach dem anderen. Im Vergleich zum FoS und Revival kann Schloss Dyck da leider nicht mithalten. Die Atmosphäre auf dem Revival ist jedoch noch besser – viele Besucher sind in historischen Gewändern unterwegs, die Aufmachung von Ständen und der Einsatz von Schaustellern machen es einzigartig, einmal ganz abgesehen von den Rennen in historischen Fahrzeugen und dem Fakt, dass man um die gesamte Rennstrecke gehen und so in jeder Kurve hautnah dabei sein kann. Die Classic Days auf Schloss Dyck können dafür mit einem weitläufigen, landschaftlich-reizvollen Gelände und dem wunderschönen Schloss als Kulisse punkten.

Fazit: Die Classic Days auf Schloss Dyck zählen sicher zu den besten Oldtimerveranstaltungen in Deutschland und gehören deshalb in jeden Terminplan eines Oldtimerenthusiasten. Wem es gefällt, der sollte auch unbedingt eine Reise zum Goodwood Revival in Betracht ziehen. Lohnenswert sind ebenfalls das Festival of Speed und das Members Meeting.


Tobias Hoffmeister ist Mitglied im W124 Club und stolzer Besitzer eines C124 230E und eines Mercedes L409, Ihr findet Ihn bei Instagram unter @zwokommadrei und @viernullneun

Motorworld Classics Berlin 2017

Nach unserem Besuch im letzten Jahr sind wir in diesem Jahr standesgemäß vorgefahren und haben uns damit neben einem Parkplatz im Sommergarten auch eine Tageskarte gespart. Zu unserer Überraschung stand fast das gleiche Fahrzeug ein paar Meter weiter. Nur für Insider sind marginale Unterschiede zu erkennen, das Schwestermodel ist Baujahr 83 oder 84.

 

Zunächst ging es wieder in Halle 20 und der Trend zu unerschwinglichen und vollkommen überzogenen Preisen hat sich in diesem Jahr noch einmal übergreifend verfestigt. Die Verkaufspreise sowohl in den Hallen als auch auf dem Freigelände entbehren jeglicher Grundlage, man könnnte auch von einer Blase sprechen. Hinzu kommt ein unverfrorenes und überhebliches Auftreten gegenüber potentiellen Interessenten. Man wird nicht als Kunde, sondern als Bittsteller wahrgenommen.

Ein Beispiel für diesen Wahnsinn zeigt folgendes Preisschild, ein W123 ebenfalls in Signalrot. Ein kurzer Vergleich zeigt: Super Zustand zweifelsfrei, 240D statt 230E, 38tkm statt 140tkm, jedoch keine Automatik, helle statt schwarze Innenausstattung, 29800€ sind jedoch jenseits jeglicher Vorstellungskraft.

Wenden wir uns also den Highlights der Veranstaltung zu. Zunächst ein W126 mit maßgeschneiderter Klöppelspitze:

Und weiter geht es:


Dann gibt es ja auch noch nette Menschen und wir trafen zufällig auf Frank, auf Tobi vom W124 Club, auf Klaus vom S-Klasse Club und auf Rainer und Jan vom MVC und ich durfte erstmals in der schwarzen Lady Platz nehmen:

Sicherlich dürfte dieser Stand auch aufgrund des Rahmenprogramms und der schönen Fahrzeuge auch in diesem Jahr einen Platz ergattern, hier mit Benno Radke:

Special Guest in diesem Jahr war Eleanor, das Filmcar aus “Nur noch 60 Sekunden”:

diesjähriges Highlight “Eleanor” – das originale Filmcar

Zum Abschluß einige Schnappschüsse

 

Ringkøbing løbet

Heute war zweikommadrei.de beim Ringkøbing Rennen, das nach dem austragenden Ort in Westjüstland, Dänemark benannt ist. Das Ringköbing Rennen ist laut eigener Darstellung die Größte, Älteste und Prestigeträchtigste Oldtimerveranstaltung in Dänemark, inkl. Rundfahrt, Gala-Dinner und Preisverleihung.

Das wollten wir genauer anschauen und dürfen hier die Highlights zeigen. Auf die Darstellung blühender Rostlandschaften aufgrund salzhaltiger Seeluft verzichten wir zum Schutz von Auge und Gemüt.

Beginnen wir mit dem 3. Sieger der Veranstaltung an, ein Cadillac La Salle, V8, in sehr schönem Zustand.

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Zu sehen waren auch Fahrzeuge, bei denen die Kühltemperatur anhand eines Anzeigegeräts auf dem Kühler dem Fahrer präsentiert wird.

Hier zeigen wir die Schokoladenseite eines Mercedes 190 SL. Die Spraydosen schattierte Lackierung des Restblechs ignorieren wir und erfreuen uns an der Front und Maschinenraum.

In sehr schönem Zustand anzutreffen war auch ein Plymouth mit Winker-Blinkern sowie frischem Interieur inkl. Heckrollo.

Besonders schön auch die Cadillac’s der 50er Jahre, die ausladenenden Dimensionen sind einfach ein Hingucker.

Unser besonders Highlight war ein Mercedes 170S aus dem Jahre 1953, der wunderschön und mit Liebe restauriert war. Interressant war dabei, das er sein Leben in Dänemark an der Küste in Ringköbing verbracht hat. Bemerkenswert erscheint, das der Chrom sich bei dieser salzhaltigen Luft in diesem Zustand präsentiert. Das Bild zur Rechten zeigt die Autoren dieses Blogs im Spiegel des Altblechs bei traumhaftem Wetter.