Besuch beim 3. Benzfest in Neustadt-Glewe am 11.Mai 2019

Kalt und nass sollte es laut den gängigen Wetterapps am Wochenende um den 11.Mai 2019 werden. Wie auch der gesamte bisherige Mai 2019, schien das nunmehr dritte Benzfest zumindest wettermäßig unter keinem besonders strahlenden Stern zu stehen.

Dennoch hielten wir an unserer Zusage fest, das Benzfest gemeinsam mit den “BenzBuddiesBerlin” zu besuchen. Und das war gut so, denn zunächst war es zwar frisch, aber es blieb den ganzen Tag trocken. Sogar die Sonne ließ sich nachmittags gelegentlich blicken.  Die Eisheiligen waren den Sternenfreunden offenbar gnädig gestimmt.

Da sich die Benzbuddies aus dem gesamten Stadtgebiet Berlins und darüber hinaus rekrutieren, wurde als Treffpunkt für die gemeinsame Anreise zum Benzfest in einer Fahrzeugkolonne die Raststätte Linumer Bruch Nord an der A24 Berlin-Hamburg vereinbart. So hatte keiner einen Umweg zum Benzfest in Neustadt-Glewe in Mecklenburg-Vorpommern in Kauf zu nehmen, wenn er sich der Gruppe anschließen wollte.

Ursprünglich war geplant, dass ein W115 Diesel die Spitze der um kurz nach  acht Uhr an der Raststätte startenden Kolonne anführen und das Tempo vorgeben sollte. Leider fiel der Fahrer und damit sein Strichacht aus. Es ergab sich, dass an seiner statt wir mit unserem chalcedonblauen W220 nun an der Spitzen rollen sollten.  Vereinbart wurde eine Reisegeschwindigkeit von 130km/h, die dank des aktivierten Limiters, bzw. Tempomats auch nie überschritten wurde. So sollte ein Auseinanderreißen der Kolonne vermieden werden.

Aber trotz der gleichmäßigen und beschaulichen Fahrweise ließ es sich aufgrund der vielen Baustellen und LKW nicht vermeiden, dass die Kolonne rasch in Kleinstgrüppchen zerfiel und im Abstand von jeweils mehreren Minuten am Barracuda Beach in Neustadt eintraf. Dafür wurde wohl ein jeder Fahrzeugeigner mit einem geringen Kraftstoffverbrauch belohnt.

So zeigte unser Reiserechner am Ziel einen Durchschnittsverbrauch von ganz knapp unter neun Litern pro 100km an. Für eine S-Klasse mit Ottomotor (M112) ein sicherlich guter Wert. In den Achtziger Jahren, wäre dies vermutlich selbst mit einem 300SD kaum möglich gewesen, ganz zu schweigen von einem vergleichbar leistungsstarken 420 SE.

Das Benzfest fand nun zum dritten Mal am Barracuda Beach am Neustädter See statt, wobei sich das Zentrum der Veranstaltung, wie schon im letzten Jahr,  am Sandplatz beim Strand befand. Hier werden auf der Rasenfläche rundum die VIP-Fahrzeuge, also jene, die die Veranstalter im Vorfeld als besonders beachtenswert einstuften, ausgestellt.

Hierbei handelte es sich überwiegend um getunte und umgebaute Fahrzeuge. Vom W201 im MadMax-Look bis zum recht unauffälligen W212 mit kompressoraufgeladenem 6,2-Liter-V8 war vieles dabei. Auch dieses Jahr waren wieder viele Fahrzeuge mit Airride-Fahrwerken vertreten, insbesondere W123, W201 und W124. Mir persönlich gefallen auf dem Bauch liegende Youngtimer deren Räder im Motor- und Kofferraum zu verschwinden scheinen, nicht so sehr. Aber das ist natürlich eine Frage des persönlichen Geschmacks. Und ich muss zugeben: Ohne solche Fahrzeuge wäre es auch langweilig gewesen.

Meine persönlichen Favoriten stellten ein gelber 1976er  W123 Diesel mit Zugstarter und Buchalterausstattung und ein ca. 1987er  560 SEL dar. Einfach aus dem Grunde, dass eben genau so ein gelber W123 Diesel Serie 0,5  aus dem 1976 mein erstes eigenes Fahrzeug war, welches ich mir als Neunzehnjähriger für DM 1.500,- zulegte.

Der 560 SEL gefiel einfach durch seine dunkelblaue Lackierung,  seine Lederausstattung “Dattel” und seine Umfangreiche Ausstattung mit Einzelsitzanlage im Fond. Auch einen 560SEL in Nautikblau durfte ich bis vor wenigen Jahren mein Eigen nennen.

Zeitweilig drehte auf dem Sandplatz ein  W124 Diesel “Feldturbo” mit Offroad-Optik  zur Unterhaltung der Anwesenden seine Runden, wobei neben seiner Optik und Lärm vor allem seine sehr eingeschränkte Offroadfähigkeit ins Auge stach. Trotz der Bereifung, die einem Unimog hätte entnommen sein können, hatte er doch arge Traktionsprobleme im Sand. Fast schien es, als würde der junge Mann am Steuer ständig leicht die Bremse getreten haben, um an der Hinterachse mehr wheelspin zu erzeugen. Gefragt haben wir ihn allerdings nicht.

Nördlich von diesem Bereich befand sich der “Besucherparkplatz”, wobei auch   -oder gerade-   dieser Bereich sehr interessant war, wie wir meinen. Denn auch die Besucher reisten vielfach mit tollen Fahrzeugen an, die nicht minder interessant waren. Neben vielen W126ern, dem meiner Meinung nach schönsten Mercedes der letzten 50 Jahre, war von alt bis neu so ziemlich alles vertreten. Sogar drei Lastkraftwagen fanden ihren Weg zum Benzfest.

Die Besucher konnten mit ihren Fahrzeugen an einem Wettbewerb teilnehmen, wobei die schönsten Fahrzeuge und jene mit der weitesten Anreise jeweils mit einem kleinen Pokal prämiert wurden. Leider wurden nur die Fahrer und Kennzeichen der “Siegerfahrzeuge” aufgerufen, sodass letztlich unbekannt blieb, welches Fahrzeug sich hinter dem jeweiligen Siegeraufruf verbarg.

Am Hauptzelt neben dem Sandplatz gelegen wurden Bratwurst, Hamburger, Nuggets, sowie Kaffee und Kuchen zum fairen Preis angeboten. Gleich gegenüber am Strand war ein Bierwagen aufgebaut, an dem es nicht nur Alkoholisches zu trinken gab.

Das Gelände wurde von der Bühne am Strand und über eine Lautsprecheranlage, kräftig, aber nicht zu laut, mit elektronischer, basslastiger Rythmusmusik beschallt, was ich persönlich als sehr angenehm empfand. Für die kleinen Besucher stand eine Hüpfburg und Malstraße zur Verfügung.

Insgesamt würden wir sagen, dass sich ein Tagesausflug zum Benzfest durchaus lohnt, wenn man einfach viele Sterne treffen möchte. Man kann mitunter  gute Gespräche führen und die Atmosphäre stimmt. Wir wurden sogar von Fremden als “die vom Sternenkreuzer” erkannt. Wer hätte das gedacht…
Wer allerdings einzigartige Oldtimer vom Schlage eines W198 oder W189 erwartet, unangetastete Youngtimer oder einen feinen Herrenclub des gepflegten Reisens, der ist beim Benzfest definitiv falsch aufgehoben. Dazu empfehlen sich die    -leider viel zu seltenen-   Zweikommadrei-Ausfahrten.

Ein kurzes Video, dass  “Der_Sternenkreuzer” mitgebracht hat.

 

Einige Schnappschüsse…

 

 

Und zuletzt ein kurzer Rückblick auf das Benzfest Vol.2 vom September 2018…

https://drive.google.com/file/d/1BhtWj1YdakHRDOp4Ysw28eCelr41bKEq/view?usp=sharing

 

W220: Vorderachsen-Odyssee Zwei Millimeter Gummi machen den Unterschied

[Unbezahlte und unbeauftragte Werbung]

Nachdem ich an anderer Stelle im Netz meine Erlebnisse mit der geräuschvollen Vorderachse unseres 1998er W220 zum Besten gegeben habe, möchte ich nun auch die Leser auf “zweikommadrei.de” daran teilhaben lassen.

Kurz vorab: Vor genau einem Jahr, im Januar 2018, kauften wir einen frühen chalcedonblauen W220 (Farbcode 347)  zu einem Schnäppchenpreis.

 

Zwar machten seine Katalysatoren bei der Probefahrt recht unangenehme Geräusche und bedurften offenkundig des Austausches, aber selbst dies eingepreist, war der Kaufpreis, angesichts des sonstigen Fahrzeugzustands, fast peinlich niedrig. Die vier 19 Jahre alten Abgasreiniger wurden also schon wenige Tage später gegen nagelneue getauscht.

 

Der mittlerweile 20 Jahre alte Wagen steht übrigens noch heute nahezu rostfrei da. Beim W220 ist das bekanntermaßen nicht selbstverständlich.

 

Nun zu dem Thema mit dem ich mich fast ein Jahr lang   befasst habe:

Ein leichtes Poltern und Schlagen von vorne rechts, scheinbar aus Richtung Beifahrerfußraum, trat während unseres Skiurlaubs  in den Alpen, wenige Wochen nach dem Kauf des 220ers in Erscheinung. Zunächst so leise, dass MitfahrerInnen glaubten, ich sähe, bzw. höre schon Gespenster oder ich sei überempfindlich.

Wer selbst einen Mercedes fährt, noch dazu eine S-Klasse, der erwartet Perfektion. Störgeräusche, seien sie noch so leise, sind keinesfalls akzeptabel. Einen Fahrer eines herkömmlichen Kraftfahrzeugs mag so etwas nicht  stören. Den Sternfahrer sicherlich schon.

Meine Vermutung war jedenfalls schon  damals: Es hat etwas mit dem Vorderachsstabilisator zu tun, weil er am Fahrschemel ganz in der Nähe des Fußraums gelagert ist und  aus dieser Richtung die Geräusche zu kommen schienen.

Nach unserem Skiurlaub, die Witterung in Berlin und Brandenburg war bereits vergleichsweise mild, war das Geräusch deutlich leiser und  praktisch nicht mehr zu orten. Eine Werkstatt prüfte das Fahrwerk äußerst gründlich und stellte keinen nennenswerten Verschleiß fest. Nun gut, ich beließ es dabei, schließlich war über den folgenden Sommer nichts auffälliges wahrnehmbar.

Selbst während unseres Roadtrips im Sommer entlang des Mittelmeers und quer über die Alpen blieb die Vorderachse ausnahmslos stumm. Das Thema war bald vergessen.

 

Als sich der Herbst schließlich von seiner kühlen Seite zeigte, meldete sich Madame Vierlenker-Vorderachse dafür um so lauter und mit Nachdruck zurück.

Man konnte fortan ihre Schläge sogar am Boden des vorderen Fußraums spüren.

Mein Verdacht, als Ursache käme der Stabilisator in Betracht, wurde seitens der Werkstatt meines Vertrauens verworfen. Dort hieß es: Stabi? Nein. Definitiv nicht. Die Gummis sind tadellos, nirgends ist Spiel feststellbar. Man tauschte stattdessen Radlager und Traggelenke, die tatsächlich erhöhtes Spiel aufwiesen. Aus der (geheizten) Halle gefahren, war nun alles wieder gut. Himmlische Ruhe. Aber schon am nächsten Tag war das Poltern und Schlagen wieder da. Sehr Seltsam.

Tage später, der W220 stand wegen des Polterns  wieder in der Werkstatt, wurden die unteren Querlenker getauscht. Auch sie waren bereits beschädigt, ihre Gummihüllen um die Auflager der Luftfederbeine waren ausgefranst.  Aus der (ebenfalls geheizten) Halle herausgefahren, war erneut alles fein. Eine genussvolle Heimfahrt folgte.

Am nächsten Tag jedoch polterte mir wieder der Gruß meiner Diva im Vorderwagen entgegen: Hallo Klaas! Ich bin noch da! *confused*

Da das Geräusch nach wie vor aus dem Fußraum kam, habe ich die Werkstatt gebeten, die Stabigummis zu tauschen, auch wenn sie dort überzeugt waren, die Gummis seien nicht ursächlich. Gesagt, getan . Nach erledigtem Tausch der Stabigummis aus der (warmen) Halle herausrausgefahren, war wieder alles super. Noch.

Aber am nächsten Morgen polterte es wieder aus dem Fußraum. Aber dieses Mal noch viel schlimmer als zuvor! Ich dachte, der Vorderwagen bricht auseinander. Als würde jemand mit einem Hammer von unten ans Auto schlagen. Nach 15 Minuten Stadtverkehr trat jedoch langsam Ruhe ein, das Schlagen war kaum noch hör- und spürbar. Interessant!

Da sonst alles in Frage kommende durchgetauscht worden war, und das Geräusch nach einer gewissen Fahrzeit leiser wurde, dachte ich: Die Stoßdämpfer (Federbeine) sind es! Möglicherweise werden die Dämpfer im Fahrbetrieb warm, so dass sich irgendwo im Innern durch Wärmeausdehnung unerwünschtes Spiel verringert und das Geräusch deshalb verringert wird.

Ich bin also mit dem (warmen) Auto auf einen Rüttelprüfstand gefahren, um die Stoßdämpfer prüfen zu lassen.  Der Sachverständige, der unseren W220 auf dem Rüttelprüfstand untersuchte, befand das Auto für tadellos, die Dämpferwerte waren aus seiner Sicht noch sehr gut. Er (und ich) hörte beim Test auch nichts ungewöhnliches. Ich solle einfach weiterfahren, sagte er stöhnend, bis es richtig und dauerhaft laut wird. Vielleicht findet man dann etwas. Hm, nicht gerade eine zufriedenstellende Auskunft. Ich denke, er glaubte mir nicht.

Nun war mir bekannt, dass ein Dämpftest bei adaptiver Dämpfung wenig Aussagekraft hat, weil das System die Dämpferhärte ständig anpasst. Also haben Sohnemann und ich beide Federbeine der Vorderschse dennoch in Eigenregie erneuert.

Kleine Anmerkung:  Beim Luftfahrwerk “AIRmatic” (Adaptive Intelligent Ridecontrol) bilden die vier Luftfedern mit ihrem jeweiligen Stoßdämpfern eine Baueinheit, das Luftfederbein. Entgegen der landläufigen Vorurteile ist die Fehlersuche an der AIRmatic, aufgrund ihres simplen Aufbaus    -das ist kein Scherz- relativ einfach. Noch einfacher gestalten sich Reparaturen hieran. Zum Beispiel der Tausch der Federbeine. Prinzipbedingt braucht es keinen Federspanner. Luftablassen genügt.

Der Tausch der Federbeine wurde lediglich durch eine kleine Innensechskantschraube behindert: Die Madenschraube am rechten Federbein war bei der vorherigen Reparatur (Querlenker, s. oben) offenbar derart festgezogen worden, dass sie sich nur noch mittels einer Flex befreien ließ. Das kostete Zeit. Ansonsten kann man pro Federbein ca. 30 bis 45 Minuten veranschlagen. Mehr dazu bei Bedarf auf YouTube.

 

Aus der (ebenfalls beheizten) Selbsthilfewerkstatt  im Osten Berlins herausgefahren, hörte sich alles sehr gut an, man hörte nämlich nichts mehr. Zudem war die Vorderachse jetzt schön straff und lenkpräzise. Meine alten Federbeine waren noch die Originalen von 1998, also 20 Jahre alt!

Damit bestätigte sich, dass adaptive Dämpfer mit guten Prüfstandwerten dennoch ihre Fitness verloren haben können.

Aber es kam, wie wie es kommen musste: Am nächsten Morgen polterte es wieder aus dem unteren Vorderwagen.  Und wie schon üblich, verschwand das Geräusch nach einiger Fahrzeit.

Hm… Grübel… Was ändert sich beim Fahren? Üblichweise die Temperatur an diversen Stellen im Auto. Und wo besonders? Am Kat. Und was ist direkt neben den Kats verbaut? Die Stabilagerung mit ihren Gummis. Aber die Gummis waren doch schon erneuert!? Sollten es doch die Federbeine sein? Die sind auch neu, gerade selbst eingebaut. Vielleicht hat man mir ein defektes Federbein geschickt? Kommt ja vor.

Überlegung: Fehler aufgrund der bisherigen Erkenntnisse eingrenzen. Also einfach mal den Kat (und damit die Stabilagerung) heiß werden lassen, aber ohne zu fahren. So bleiben die Stoßdämpfer kalt. Also kurzerhand an einem Samstagmorgen den Motor 45 Minuten im Leerlauf laufen lassen. Dadurch wurde der Stabi schön warm, die Federbeine aber nicht. Die anschließende Fahrt zeigte: Keine Geräusche. Erkenntnis: Warmer Stabi(gummi) = Kein Poltern. Die Luftfederbeine haben (in diesem Fall) demnach keinen Einfluss.

Offenbar schrumpften die neuen Stabigummis bei Temperaturen unter 10 bis 15°C derart, dass in deren Lagerung ein erhebliches Spiel auftritt und der Stabi sich hierdurch soweit bewegen kann, dass er Schläge erzeugt.

Ich muss dazu sagen, dass Mercedes-Benz einen Tausch nur der Stabilisatorgummis alleine nicht vorsieht (es gibt kein offizielles Ersatzteil), sondern nur den ganzen Stabi mit Gummis als ein Teil verkauft. Die Gummis sind mit dem Stabilisator ab Werk fest verklebt. Die Drehbarkeit des Stabilisators ergibt sich also auschließlich aus der Torsion der Stabigummis.

Beim Tausch der Solo-Gummis ohne den Stabilisator selbst müssen diese mühsam mit einem Messer vom Stabi geschält werden, wobei anschließend die Kinematik verändert ist, da sich der Stabi nun mit vergleichsweise geringerer Kraft  in seiner Lagerung drehen kann . Der Einbau von Aftermarket-Gummis ist also eigentlich  nicht die perfekte Lösung.

Mit dieser Erkenntnis, dass bei tiefen Temperaturen zu viel Spiel in der Stabi-Lagerung vohanden ist, bin ich auf die Hebebühne gefahren und habe testweise zwischen oberer Lagerschale und den Stabigummis eine zusätzliche Lage Gummi (ein Stück einer Waschmaschinen-Dämmmatte) eingelegt, um den Stabi nach Montage der unteren Lagerschale straffer, also spielfrei,  in seiner Lagerung zu halten. Diese kleine Maßnahme führte endlich zum Erfolg.

Seither ist die Vorderachse wieder leise, kein Poltern oder Schlagen, bei jeder Temperatur, in jeder Fahrsituation.

Die nächsten Tage werde ich beim “Freundlichen” (Szene-Jargon für Mitarbeiter des Ersatzteiltresens bei Mercedes-Benz) einen neuen Vorderachsstabilisator mit Gummis und neue (untere) Lagerschalen besorgen und einbauen.

Lange Rede kurzer Sinn: Geräusche von der Vorderachse können wirklich überall ihre Ursache haben. Manchmal auch an Orten, die die Fachwerkstätten für ausgeschlossen halten.

Ich könnte mich natürlich darüber ärgern, dass wir für viel Geld fast die komplette Vorderachse saniert haben, obwohl es letztlich nur an wenigen Millimetern Gummi für ein paar Cent fehlte. Aber die getauschten Teile waren allesamt tatsächlich ihres Alters entsprechend verschlissen, bis hin zu den Stoßdämpfern, wie sich nach deren Tausch sofort zeigte. Außerdem haben wir sehr viel über die Vorderachsmechanik des W220 gelernt.

Es hat sich also gelohnt, nicht nur weil der Wagen nun wieder leise gleitet, sondern auch deshalb weil das Auto  wieder straff und präzise zu steuern ist.

Allzeit gute und sichere Fahrt!

Klaas.

Winterprojekt M119

Für echte Schrauber mag das ja alles langweilig sein: Die können jetzt gerne weiterzappen 😉 Eventuell ist es aber dann doch für den einen oder anderen eine Hilfestellung, wie man mit Problemen am M119 umgeht.

Erster Akt

Das Dickerchen hat plötzlich Zündaussetzer bekommen bzw.  nahm kurzzeitig kein Gas an. Nach ca. 20 min Abstellen war das Problem weg. Angefangen hatte es im Sommer 2017 bei einer Wäsche mit dem Hochdruckreiniger.

Zweiter Akt

Wie üblich googelt man sich durch die einschlägigen Foren nach Stichwörtern wie

  • M119 Zündaussetzer
  • M119 Gasannahme

und erfährt vieles über

  • Undichte Verteiler
  • Motorkabelbaum
  • Drosselklappen
  • Zündkabel
  • Luftmassenmesser
  • Lambdasonde
  • Motorkabelbaum

Man fragt Freunde, Leute mit Ahnung, den Vorbesitzer 🙂 und landet vor dem vermei(d|nt)lichen Teileroulette bei der STAR-Diagnose.  Es handelt sich ja bei dem W140 um eines der ersten Fahrzeuge mit CAN-Bus. Und Gott sei Dank: Es gibt via 2K3 den Kontakt zu Florian Benz.

Dank Florian konnte der Fehler insofern eingekreist werden, dass ein Problem der Drosselklappe vorliegen könnte. Das Kabel der Drosselklappe kann man wie folgt prüfen: Einen Längsschnitt machen und auf Bröselei/Brüchigkeit prüfen, dann mit Isolierband wieder verschließen. Hier im Bild rechts sieht man deutlich, das das Kabel bröselig ist.

Nach Recherche folgte die Erkenntnis, dass das Kabel an der Drosselklappe verlötet ist und es dieses nicht einzeln gibt. Ebenso kam so der Kontakt zu Roman Buhr zustande, der für einen angemessenen Preis die Drosselklappe revidierte:

  • Demontage, Reinigung
  • Potentiometer Prüfung und ggf. justieren
  • Neues Anschlusskabel
  • Neue Dichtung und Anleitung

Dies erfolgt durch Ausbau der Alten und Einsendung, sowie Rücksendung nach Revision.

Nach Erhalt ging es dann auch wieder zurück ins Atemloch, das beim M119 gut versteckt in der Mitte vergraben ist (Einen Eindruck zu diesem Gefummel sieht man in diesem YouTube Video). Da hilft nur reinkrabbeln und einlochen 🙂

Nach erfolgreichem Einbau folgte die Probefahrt und zugleich die Ernüchterung: Das Problem war immer noch vorhanden 🙁

Dritter Akt

Ich wusste vom Vorbesitzer, dass der Luftmassenmesser bereits getauscht wurde. Weiterhin sahen Zündkabel und Zündkerzen noch neu aus. Daher fiel der Verdacht nicht gleich auf die Verteiler, doch nach dem Öffnen musste ich mich erst Mal setzen:

Das kann so natürlich nicht funktionieren! Die Deckel sind undicht und damit dringt Feuchtigkeit ein, eigentlich vollkommen logisch. Folglich öffnet man den Geldbeutel und dann BOSCHt es ganz mächtig:

Dann geht es an den Wechsel, die Zündreihenfolge beim M119 ist:

Rechter Verteiler, Beifahrerseite:
R4/L5 an Zylinder #4
R1/L2 an Zylinder #1
R7/L3 an Zylinder #7
R6/L8 an Zylinder #6

Linker Verteiler, Fahrerseite:
R4/L5 an Zylinder #5
R1/L2 an Zylinder #2
R7/L3 an Zylinder #3
R6/L8 an Zylinder #8

Und so läuft das dann 🙂

Vierter Akt

Natürlich bezahlt man bei solchen Aktionen dann auch Lehrgeld. Die Zündkabel gibt es eigentlich nur als Meterware, dazu braucht man jedoch eine spezielle Crimpzange, um die Messinghülsen aufzucrimpen. Da gab es dann den vorkonfektionierten Kabelsatz von BOSCH, verbunden mit der Fiktion, hier eine einfache Lösung zu schaffen.

Heraus kommt dann etwas anderes: Guter Kerzenstecker, gutes Silikonkabel, aber der Stecker am Verteiler ist feldschmiedenartig zusammengedonnert. Es handelt sich um eine Hülse, die ohne vorheriges Abisolieren ins  Kabel gedrückt wird. Das ist schlichtweg Mist und der Quell künftiger Probleme. Weiterhin sind die Längen der Kabel nicht passend.

Man zieht sich folglich das Büßerhemd an und dann BOSCHt es wieder und es kommen Messinghülsen mit Innengewinde M3 (A0001591438) und Kerzenstecker (A0001592842) per Post. Beide Teilenummern gibt es im Zubehörhandel deutlich günstiger als bei Mercedes, z.B. A0001591438 alias RHB0003. Bestellt man diese Teile bei Mercedes kriegt man übrigens BERU.

Es wurde eine Crimpzange ausgeliehen und dann wurden die Kabel gekürzt und mit einem gescheiten Stecker & Hülse versehen. Die Kabel passend abschneiden, dass Abisolieren kann dann mit einem Cuttermesser/Teppichmesser erfolgen. Dass kann man prima an Koaxkabeln (Antennenkabeln) üben.  Dann wird so abisoliert, dass die Litze in das Röhrchen der Hülse eingeschoben wird, anschließend mit der Crimpange einmal auf das Röhrchen und einmal auf das Ende für die Zugentlastung drücken. Dann die Stecker draufschrauben (ist ja ein Gewinde). Dabei müssen die Stecker mit Silikonspray eingesprüht werden, sonst lassen sich die Verteilerstecker nicht drehen.

So sprang er heute bei 1° Grad Außentemperatur klaglos an (ohne Ladeerhaltung) und wir machten eine angenehme Probefahrt: Er lief einwandfrei -> Nirvana!!! 🙂

Finale

Neben Drosselklappe und komplett neuem Zündsatz wurden nebenbei viele Teile erneuert, die einfach einer Alterung unterliegen:

  • Schläuche zum Luftmassenmesser
  • Dichtring des Luftmassenmessers
  • Gehäuseschrauben der Zündkerzenabdeckung
  • Befestigungsschrauben des Luftfiltergehäuses
  • Zuleitungsschläuche des Luftfiltergehäuses

Anschauungsmaterial W123

Da gibt es tatsächlich jemanden im Netz, der Mercedes Prospekte aller Baureihen sammelt. Er heisst Gerrit den Holländer und hat eine eigene Webseite, auf der diese bereitgestellt werden, das nenn ich mal Service 🙂

Hinten links

Wie das so ist mit alten Dingen, irgendwann nagt dann doch der Zahn der Zeit. Ich hatte schon in 2001 Rost am Radlauf hinten links erkannt und instandsetzen lassen, jedoch den Pfusch nicht gleich reklamiert -> Die Ausgangslage im Jahre 2016:

Man erkennt die Fehlfarbe braun, und das der Lack bröselt und . Weiterhin das da einfach lieblos ins Blech geschnitten wurde. Zum Vergleich die rechte Seite, wie das im Original aussieht:

 

Also los zu Autoservice Marien, denn der kann das und runter mit dem Zeug.

Kommen se’ rein, können’se rausschauen …

Entrosten und begradigen:

Neues Blech rein, Radlauf nachbilden und vorbereiten zum Lackieren:

Nach dem Lackieren:

Und nach dem der kleine Rostansatz an der die A-Säule entfernt wurde, erstrahlt dieser auch in neuem Glanz:

 

Ausflug in die Prignitz

Aufgrund der heißen Temperaturen ging der Ausflug heute morgen bereits um 7 zum Autoservice Marien in die Prignitz. (Die Infos dazu folgen in den nächsten Tagen). Denn das Rotkäppchen hat keine Klimaanlage und das Armaturenbrett soll keine Risse bekommen, außerdem war da was mit dem frühen Vogel und dem Wurm.

Nun erfreut man sich am Spiegel im Lack 🙂

Notwendige Accessoires

Merchandising, also die Vermarktung einer Marke mittels Werbe- oder Gebrauchsartikeln ist ja aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken (Fussball, Weihnachten, Ostern, etc.).

So widmen wir uns heute einmal dem Angebot von Mercedes und zwar abseits der üblichen Werbeverdächtigen á la Basecap, Poloshirt und Regenschirm.

Beginnen wir mit dem Fest der Feste: Was wäre der Weihnachtsbaum ohne die passenden Kugeln und der Stern auf der Haube fröre ganz erbämlich.

Dann ist es ja auch schon Zeit für die Uhrzeit, rechts der Tacho eines W124 E500.

Und für den Handwerker ist auch was dabei:

Stilvoll baden und anschließend Nägel lackieren:

Und schon ist der Frühling da und es darf gegrillt werden:

Dann auf zur Souvenirjagd 🙂

Navigation durchs Sternenland

Navigationssysteme zeichnen sich dadurch aus, das man das Ziel eingibt und diese einen dann wie von Geisterhand dorthin führen. Überraschend dabei ist dann, wenn man sich nicht vorbereitet hat, wo man überall so vorbeikommt. Die heutige Fahrt von Waiblingen nach Karlsruhe führte ungeplant und nichtsahnend direkt ins Nirvana.

Zunächst vergewisserte ich mich bei der Abfahrt, dass das Auto der Sekretärin auch ordnungsgemäß geparkt wurde.

Danach ging es durch Waiblingen und es erschien das Autohaus Lorinser, dort im Erdgeschoss findet sich die  Luxusproblem-Abteilung.

Angebot 1: Mexikokäfer aus 2005, für nur 25000€


Angebot 2: 450SEL 6.9, wirklich super Zustand, 133tkm, 1. Hand, Preis auf Nachfrage ~65-70k€, den Trabant gibt es sicherlich mit dazu

Angebot 3: Das absolute Schnapperle für 230k€.

 

Dann mal schnell raus hier und weiter nach Karlsruhe, also auf die B14 und dann fährt man zwangsläufig in das Werk Untertürkheim hinein, keine Chance auszuweichen, daneben das Mercedes Benz Museum. Also zwei Stunden habe ich … der Citroen verliert die Orientierung, ich parke neben Schwester Wanderdüne ein.

 

In der Garage saugt der Feind …

 

Dann erstmal zu den Alltime Stars, der Classic Welt im Mercecdes Benz Museum:

 

Gleich vorne  steht ein W123 200 in Silberdistel metallic mit 31000km auf der Uhr für 22k€. Stolzer Preis für soviel Patina 🙂

 

Noch zwei Fotos zum Schluss: Der Bus meiner Kinderheit (303), darunter der SL500 von Lady Di.

Und jetzt selber hinfahren, staunen, gucken und erleben, für 8€ Eintritt absolut sehenswert.