Peugeot 205 GTI Hinterachse

Nun ist es soweit, mein erster Blog Beitrag.

Wo soll ich Anfangen, am besten was ich für ein Auto fahre.

Es ist ein Peugeot 205 GTI mit 1.9L Motor, diesen besitze ich nun schon seit 4 ½ Jahren & wird stetig von mir aufgearbeitet. Der ein oder andere kennt den kleinen Giftzwerg schon von Fotos, Videos oder aus dem Real-Life.. seltener Anblick wäre im eigenen Rückspiegel.. 😉

https://www.instagram.com/peugeot_205gti/

 

Diesen Winter wollte ich die Hinterachse optisch etwas auf Vordermann bringen.

Technisch wurde diese bei Erwerb neu gelagert. Das war damals schon eine furchtbare Aktion..

Zapfen aus den Achsschenkeln auspressen und neue einpressen. Im Achsrohr die Nadellager rausziehen. Dazu sollte erwähnt werden, das es im Achsrohr keine Markierung oder Phase gibt.

Sondern auf ein gewisses Maß geschoben wird.

 

Also zurück zu diesem Winter, der Achse war eben schon mit ihren Drehstäben und Anbauteile anzusehen, dass sie etwas gesehen hat in den 29 Jahren.

 

Der Plan war, Rost abschleifen und selbst mit Pinsel und Farbe im neuen Glanze erstrahlen lassen.

 

Ich besorgte 3-1 Rostschutzfarbe „Brantho Korrux“ in den Farben, Schwarz, Gelb & Rot.

Schwarz sind die Achsschenkel und die Achsaufnahme, Gelb das Achsrohr und Rot die Drehstäbe.

So sieht eine GTI Hinterachse original aus. (Netzfund)

Des weiteren besorgte ich mir, einen Pressluftschleifer samt Zubehör, Metallschleifpapier 80 &120er, Drahtbürste für Handbetrieb und Drahtscheiben für den Schleifer.

 

 

Auto aufbocken, gesagt getan.. Räder hinten ab.. und mal mit der Petzl Stirnlampe drunterlegen..

 

Ich inspizierte, den ganzen Unterboden vom Kofferraum.. OK, scheint soweit kein Problem darzustellen.

ESD demontiert, platz schaffen.. sonst wird das ganze nichts.

 

 

WER SUCHED, DER FINDET!

 

Hitzeschutzblech ab.. und als ich es in der Hand hielt, wunderte ich mich..

Da war doch eine Große Unterlegscheibe.. wo ist sie?

Sie war noch am Unterboden mit Rest vom Hitzeschutzblech.. aua.. & wozu hab ich überhaupt die Schraube gelöst..

 

Die stelle schaute ich mir genauer an.

..und natürlich fand ich in der Ecke vom Hitzeschutzblech Rost am Blech..

   

 

Abschleifen und Rostumwandler drauf..

 

 

MSD demontiert um an das Fangband vom Tank ranzukommen, denn das muss ab und sieht wie bei jedem 205er etwas oll aus.

Der Schlamassel ging direkt weiter, als die Achs umgreifende Schelle vom Fangband demontiert werden sollte.. eine Schraube riss ab.. war es die eine Obligatorische Abgerissene Schraube???

So langsam sah ich, was mich erwartet.

Eine Achse, die mehr brauch als Schleifpapier und Draht.

Ein Unterboden und Karosserie Punkte für die Achsaufnahme, welche stellenweise meinten, sich mit dem Feind Rost verbünden zu müssen.

 

Schleifen, Schleifen und nochmals Schleifen.. Staub und wieder Staub.

Meine Schutzausrüstung, wie sollte sie auch anders sein, eine Radsport Brille, welche ich früher zum Operieren nutzte.. Nasen/Mundtuch auch aus dem OP. Silikonhandschuhe für die Verwendung des Rostumwandlers.. gewohnte Atmosphäre, für ungewohntes Terrain.. 😀

 

So demontierte ich schritt für Schritt die Achse, warum einfach, wenn es auch schwer geht.

Denn das Bremssystem wollte ich geschlossen halten. Ich hoffe, die Halter und Leitungen sind auf den Bildern zu erkennen.

Beim Bremsscheiben abschrauben schaute mich ganz glücklich und fröhlich, je Seite eine Ausgenudelte Kreuzschlitzschraube an.. DANKE an den Vorbesitzer.. du warst ein guter!

 

Schraube raus schleifen, hatte ja zum Glück solche kleinen Kegelschleifsteine.. nun konnte ich die Bremsleitungen und Zylinder frei um die Achsschenkel bewegen.

 

 

 

Achse auf eine Euro Palette absenken..

Wir erinnern uns an die abgerissene Schraube? Ja es war nur diese eine, aber diese eine musste raus. Die Schelle vom Fangband passt nur zwischen Achsrohr und Drehstab, wenn keine Schraube drin steckt.

Also die Schraube bündig runter geschliffen.

 

 

Stück für Stück Blech schleifen..

Leider konnte ich meinen tollen neuen Pressluftschleifer nicht für große Flächen nutzen.. der Kompressor reicht zwar auf Papier aus, aber nicht in der Realität.

Also musste zum Schleifen des Bleches die GUTE alte Bosch Bohrmaschine ran mit Kabel vom Verstorbenen Opa..

Der Unterboden des 205 hatte viele Stellen, die verwinkelt sind und von der Achse selbst verdeckt sind..  schwer zugänglich und schwer einsehbar

 

Es machte einfach keinen spaß, denn immer was wie nur ein wenig Rost aussah, war stets mehr.

TOI TOI, und 5x auf Holz klopf, nur Oberflächen Rost und keine Durchrostung.

Alles blank, Rostumwandler rauf.. dies werde ich nochmal wiederholen, danach kommt endlich die tolle 3-1 Farbe zum Einsatz.. aber nur noch schwarz.

Kofferraum innen pinseln und den Unterboden, je mehr desto besser. Bei dem leichten Heck, gönnen paar Gramm mehr an Farbe nicht Schaden.

 

Die Achse hab ich zu meinem langjährigen Freud und Oldtimer Restaurateur Marvin Schönefeld gebracht. ((205 im S205 😀 ))

Dieser wird diese nun professionell aufarbeiten. Statt Farbe kommt nun Pulver und Galvanik.

 

 

Einbau & Mehr

Im nächsten Beitrag, wenn die Hinterachse und Anbauteile wieder zurück sind.

 

Gastbeitrag: Felix in der Schweiz

Nach dem Italientrip fuhren wir im November in die Schweiz übers Wochenende und wieder durfte ich 2 total liebe Benzbuddys und ihre G-Klasse kennenlernen. Doch halt, ich mach zu schnell. Zuerst fuhren wir nach Luzern, wieder so ein Ich-war-dort-als-Kind-mal-Ding von meiner Besitzerin. Mir war es dort etwas zu unheimlich, so viele Autos und Menschen und ich kannte das so gar nicht mit dem Schweizer Verkehr, daran mussten wir uns beide erstmal gewöhnen.

Später dann, als wir Richtung Zürich aufbrachen zu unseren Freunden, war es schon besser. Zürich zum Feierabendverkehr kann ich keinem empfehlen, der es nicht gewohnt ist, man braucht für 200 Meter schon mal gut 30 Minuten. Es hat aber alles gut geklappt und ich wurde sogar von dem einen Benzbuddy gefahren, der konnte gut mit mir umgehen und freute sich über meine Fitness (altes Auto von wegen). Meine Besitzerin meinte, er kennt sich ja besser aus in Zürich wie sie, deswegen darf er mal fahren (und zum Bauchfüllen hat er mich gebracht).

Übernachten durfte ich neben einem feschem Mercedes Sportcoupé, das war etwas jünger wie ich. Am nächsten Tag hat meine Besitzerin mit ihren Freunden und ihrer G-Klasse Zürich erkundet, ich durfte mich ausruhen. Abends dann war allerdings Anschnuppern angesagt, das fesche Sportcoupé und die G-Klasse näher kennenlernen. Die gehören nämlich unseren Freunden und waren total nett.

Leider war auch diese Zeit viel zu schnell rum und so ging es 2 Tage später wieder Richtung Heimat, allerdings mit Stopp an den Rheinfällen bei Schaffhausen (Schweiz) und unserem geliebten Mummelsee im Schwarzwald (da waren wir die letzten 3 Jahre immer mal für Kurzreisen).

Auch hier ein kurzes Fazit: gut 900 km mit einem Durchschnitt von 8,6 Litern auf 100 km trotz Heizung und Gepäck und, ihr könnt es euch denken, ohne Defekte oder sonstigen Problemen.

Meine Besitzerin ist stolz auf ihr zuverlässiges Reisemobil und möchte 2019 wieder etwas Tolles mit mir machen: es soll nach Berlin gehen, ich möchte ihr zeigen, wo ich einst arbeitete. Und sie redete da etwas von weiteren Benzbuddys, die wir besuchen könnten: einem dunkelrotem Mercedes W124 und einem auch signalrotem Mercedes W123… da bin ich mal gespannt, was daraus wird, ich freu mich schon.

Gastbeitrag: Felix in Italien

Hallo liebe Freunde von mir, dem Felix, und meiner Besitzerin!

Wer meine Besitzerin und ich bin, nun das muss nicht mehr erwähnt werden. Was seit dem letzten Beitrag geschehen ist, das ist viel wichtiger.

2017 war und blieb ein relativ ruhiges Jahr für mich, meine Besitzerin hatte es etwas schwieriger mit ihrer Weiterbildungsphase, aber ich stand ihr treu und brav an ihrer Seite. Ende 2017 hat sie mir dann etwas versprochen, was mein Herz höher hüpfen ließ: Wir verreisen in 2018 als Belohnung.

Wohin, das war noch nicht klar, da meine Besitzerin erstmals eine Arbeit finden musste um genügend Geld für uns zu sammeln. Konkreter wurden die Pläne im März 2018, als wir einen netten Mercedes W210 und seinen Besitzer kennenlernten, da dieser aus Italien kommt. Italien… hach jaaaa, dieser Name, dieser Klang. Ich liebe Italien, damals mit meinen Vorbesitzern bin ich jedes Jahr nach Abano Therme gefahren, da wurden die Kilometer runtergespult, hui, das machte Spaß.

Meine jetzige Besitzerin ist bisher nie soweit und alleine gefahren, so richtig im Urlaub war sie seit 15 Jahren nicht mehr, selbstverständlich, dass sie etwas Bammel hatte. Genauso aber vertraute sie mir, dass wir das gemeinsam packen.

Und so ging es im September los:

Bis nach Kempten nahm meine Besitzerin noch einen Mitreisenden mit, um sich etwas Spritgeld dazu zu verdienen, danach ging das Abenteuer so richtig los, denn wir kannten beide nicht den Weg: durch Österreich durch (in Nauders hat sie mir meinen Bauch noch gefüllt, danke) nach Italien zum Reschensee. Dort war ein kurzer Zwischenstopp (zu viele Leute sind nicht so unser Ding), es musste doch der Felix vor der Kirchturmspitze fotografiert werden.

Dann ging es weiter Richtung Meran zum Vellauer Hof. Oh, dort war es wunderschön, ein fantastischer Ausblick auf die Berge und das Tal mit der berühmten Brenner-Autobahn. Meine Besitzerin erzählte mir, dass sie als Kind hier oft gewesen war mit ihren Eltern und daher diese Ecke gut kannte. Und zufälligerweise parkten wir noch neben einem Mercedes W210 aus Deutschland.

Dort haben wir etwas Pause gemacht, wir waren ja schon gut und gerne 7 Stunden unterwegs und der Weg hoch zum Hof hat mich ganz schön aufgewärmt. Doch zu lange weilten wir nicht, wir waren noch nicht endgültig am Ziel. Damit es aber nicht zu lange dauerte, durfte ich über den Brenner etwas geschwinder fahren und meine Besitzerin hatte erst noch Bedenken, wie man in Italien auf eine Autobahn auffährt mit Maut und so.

Aber sie vertraute mir voll und ganz und so erreichten wir unser Ziel nach gut 10 Stunden: Lavarone, gehört zur Region Trentino nahe Südtirol. Ach dieser Klang, herrlich. Das Hotel war wunderschön gelegen an einem türkisblauen Bergsee inmitten den Dolomiten und ich durfte sogar geschützt im Innenhof schlafen, damit mir nichts passiert.

Am nächsten Tag durfte ich Pause machen, meine Besitzerin war noch etwas müde von der Anreise und hat die nähere Umgebung erkundet (und mir tat die Pause auch sehr gut). Richtig schön wurde der darauffolgende Tag, es ging über herrlich verwinkelte Bergsträßchen (ich liebe das Ums-Eck-wuseln) runter zum berühmten Lago di Garda (Gardasee). Der Ausblick war grandios, während meine Besitzerin zur Feier des Tages unsere Lieblingsoper auf Kassette laufen ließ: Don Giovanni von Wolfgang Amadeus Mozart. Es war kurzum unser gemeinsamer perfekter Moment.

Auch der nächste Tag bot für mich und meine Besitzerin wieder tolle Momente bereit, diesmal besuchten wir Löweneck und 2 direkt nebeneinander liegende Seen, lediglich durch einen Bergrücken getrennt. Viel gibt es darüber nicht zu berichten, denn diese Seen waren relativ klein. Wesentlich schöner fanden wir beide das Fahren und Entdecken der Umgebung und der wunderbaren kurvigen engen Bergstraßen.

Spannender war dann der nächste und letzte volle Tag in Italien, da ging es nach Luserna. In diesem kleinen Ort spürt man die Geschichte, die die Tiroler und Südtiroler vereint. Einst war diese Ecke deutsch geprägt durch Einwanderer aus Bayern, im 1. Weltkrieg kam die Trennung zwischen Italien (nun Südtirol) und Österreich (nun Tirol). Dies alles konnte man näher erkunden im Heimatmuseum, das meine Besitzerin besuchte und im Ort selber, den wir gemeinsam entdeckten.

Leider hieß es am nächsten Tag schweren Herzen wieder Abschied nehmen von Italien, aber weder meine Besitzerin noch ich wollten einfach nach Hause fahren. Wir machten uns noch einmal auf zum Gardasee mit den hiesigen Spatzen genießen, dann ging es über den Brenner Richtung Innsbruck. Der Brenner ist ganz schön schwierig in diese Richtung, es geht ständig bergauf und kostet viel Sprit, das sag ich euch. Mit leuchtender Reservetanklampe passierten wir die österreichische Grenze, dann ging es gleich zum Bauchfüllen. Lecker dort der Sprit, die Österreicher wissen, was einem alten Mercedes schmeckt. Wir machten in der Nähe von Innsbruck, beim Achensee, einen Zwischenstopp von 3 Tagen. Diesen Achensee, den erkundete meine Besitzerin allerdings erst am übernächsten Tag, den Tag davor ging es nach Ellmau und zum Wilden Kaiser, ein tolles Bergpanorama genießen. In Österreich waren auch die Bergstraßen nicht so anstrengend zu befahren wie in Italien, das tat zur Entspannung richtig gut.

Und viel zu schnell war auch dieser Zwischenstopp zu Ende, es hieß Abschied nehmen. Über Irgendwo in Bayern, wo wir noch einen Mercedeskumpel (ein gelber W123) und seine fesche Besitzerin kennenlernten, ging es ruhig und friedlich rund 5 Stunden durch die Nacht in die Heimat zurück. Und nur wer eine Reise wagt, kann sich auch auf seine Heimat freuen.

Und die Reise war noch nicht zu Ende, doch erst ein kurzes Fazit: Ich schnurrte ohne Defekte in 10 Tagen 1.989 km durch 3 Länder und süffelte im Schnitt 7,4 Liter auf 100 km, trotz vollem Gepäck, Bergstraßen und Brenner. Ich war stolz auf meine Besitzerin, dass sie trotz aller Ängste und Bedenken diese tolle Reise mit mir gemacht hat und meine Besitzerin war stolz auf mich, wie fit ich trotz meines Alters diese Reise ohne Probleme überstanden habe (bin ich mit 26 Jahren etwa alt?!).

Und warum diese Reise noch nicht zu Ende war: ursprünglich wollten wir im Anschluss noch in die Schweiz fahren, da ich aber dringend nach Hause musste in die Werkstatt (meine Auspuffanlage und mein Kat waren defekt), wurde diese Reise verschoben auf November.

Dazu mehr im zweiten Teil ..

Gastbeitrag: Classic Days Schloss Dyck 2017

Von Tobias Hoffmeister

Nachdem ich im letzten Jahr das legendäre Festival of Speed und das noch legendärere Goodwood Revival besucht hatte, war in mir der Wunsch geboren ähnlich geartete Veranstaltungen im Sommer 2017 in Deutschland aufzusuchen. Bisher hatte ich mich stets auf Old- und Youngtimerevents in Berlin und Brandenburg beschränkt, das Angebot ist ja auch groß genug und saisonfüllend.

Aus der Zeitschrift Motor Klassik waren mir die Classic Days auf Schloss Dyck bereits ein Begriff. Die abgebildeten Klassiker, welche eine von Strohballen flankierte Allee passieren, waren schon lange im Hinterkopf abgespeichert. Ich recherchierte also ein wenig und stellte fest: Wenn es ein deutsches Goodwood Revival gibt, dann müssen es die Classic Days auf Schloss Dyck sein. Also Tickets bestellt und voller Vorfreude auf das erste Augustwochenende gewartet. Der Besuch wurde direkt in den Sommerurlaub eingeplant. Wir hatten im Mai einen Mercedes-Benz L409 einer Feuerwehr erstanden und bauten diesen zum Camper um. Ein Roadtrip durch Deutschland stand an und das einzig gesetzte Ziel sollte Schloss Dyck sein.

 

Die Nacht zuvor hatten wir auf einem Bauernhof 120km entfernt verbracht. Ich bestand auf frühes Aufstehen, um möglichst den ganzen Tag auf den Classic Days verbringen zu können. Der Tag startete allerdings grau und kurz nach Fahrtanbruch begann es zu regnen. Aber die Hoffnung stirbt vermeintlich zuletzt. Unser Zielort lag ja auch noch über 100km entfernt, dort würde bestimmt die Sonne scheinen. Und tatsächlich, nach einer halben Stunde Fahrt riss der Himmel wieder langsam auf. Nur leider verdunkelte er sich auch doppelt so schnell wieder. Sintflutartige Regenschauer strömten auf uns nieder. Das höchste Intervall des Scheibenwischers war bemüht die Wassermassen von der Scheibe zu wischen.

Je näher wir Jüchen kamen, desto mehr Oldtimer überholten uns – ich liebe dieses Schauspiel auf dem Weg zu einem Oldtimerevent. Man bekommt dann langsam das Gefühl, dass man nicht der einzige Freak ist, der extra früh aufsteht, nur um sich den ganzen Tag alte Autos anzuschauen.

Der frühe Start ging auch mit der Spekulation einher, mit unserem Oldtimer/ Feuerwehr/ Camper auf dem Dycker Feld parken zu können. Ohne Anmeldung und das Einholen näherer Informationen versuchten wir unser Glück und wurden belohnt. Das im Regen stehende Personal ließ sich die Laune nicht verderben und wies uns gut gelaunt den Weg zum Stellplatz. Wir parkten ziemlich weit ab, am Rand des Feldes, hatten dafür aber exzellente Gesellschaft – neben uns standen ein C123 280CE und eine ID 19. Was will man mehr?! Achja, vielleicht dass der Regen nachlässt…
Das tat er leider nicht. Meine Freundin blieb direkt im Wagen und kuschelte sich nochmal ins Bett – praktisch so ein Camper beim Oldtimerevent.

 

Ich machte mich zur Erkundung des Geländes auf. Der Regen hatte auch sein Gutes, nämlich sehr wenige Besucher. Oldtimer waren aber bereits viele angereist. Und frisch polierte, chromglänzende Klassiker mit abperlenden Regentropfen geben auch ein wunderschönes Bild ab. Schon der erste Eindruck ließ viele Parallelen zum Goodwood Revival zu. Überall Strohballen und liebevoll gestaltete Hinweisschilder und Dekoelemente. Die Mitarbeiter trugen verschiedenste Outfits aus vergangenen Zeiten. Und auch viele Besucher hatten sich beim modischen Vorbild ihrer Lieblingsdekade des letzten Jahrhunderts bedient. Ein großartiger Anblick, trotz Regen. Und hey, wann sieht man schon mal, bei einem kükengelben Porsche 356 die filigranen Scheibenwischer in Aktion?! Ich drehte also meine Runde, schoss viele Bilder mit wenigen, störenden Menschen im Hintergrund und erfreute mich an dem Park und seinen Exponaten rund ums Schloss Dyck. Lautsprecherdurchsagen hielten mich auf dem Laufenden, welche Rennen gerade gefahren werden und was für Events als nächstes anstehen. Auf dem Gelände verteilt gab es viele Stände, an denen alles rundum die Oldtimerei und natürlich viel Essen gekauft werden konnte. Von passender Kleidung, über Bilder, Teile, Zubehör und Dienstleistungen war alles vertreten. Natürlich hatten auch die Fahrzeughersteller eigene Stände. Volvos Exponate überzeugten am meisten.

 

Wie das Wetter ist, werdet ihr euch fragen. Und habt dabei sicher schon bemerkt, dass mir der Regen mittlerweile ziemlich egal war, denn es gab Oldtimer zu sehen. Sehr viele, sehr schöne. Man könnte meinen, ich war abgelenkt. Ich muss aber auch zugeben, dass aus den sintflutartigen Schauern schon längst nur noch Nieselregel geworden war. Die Wiesen und Wege waren allerdings arg aufgeweicht und hielten viele Pfützen und Schlammlöcher für unaufmerksame Besucher bereit. Wichtigster Tipp daher – egal ob Goodwood oder Schloss Dyck: Wanderstiefel und eine Regenjacke kann man sich ruhig in den Kofferraum legen.

Nachdem der Himmel aufgeklart war, stieß auch meine bessere Hälfte zu mir. Und mit ihr hatte sich der Besucherstrom generell erhöht. Das weitläufige Gelände sorgte aber für eine angenehme Verteilung aller Besucher. Wir machten uns sofort auf ins Schloss. Hier ist das „alte Fahrerlager“ stationiert und – noch viel wichtiger – der „Jewels in the Park“ genannte Concours d’Elegance. Mein allererster übrigens. Und ein toller noch dazu. Wunderschöne und seltene Fahrzeuge in angemessenem Abstand aufgereiht, im Hintergrund das hübsche Wasserschloss Dyck – eine tolle Kulisse! In der angrenzenden Gartenanlage waren zu unserer Begeisterung Sonderausstellungen zum Thema Camping (tolle, originale Bullis und verschiedenste Wohnwagen), Wirtschaftswunderfahrzeuge und Mobile mit historischen Werbebotschaften ausgestellt. Auf einem anderen Areal hatte sich der Benyafield Racing Club breitgemacht. Diese britischen Jungs sind aus England auf eigener Achse in ihren Bentley 4½ Litre angereist und drehten auch ein paar Runden über die Dycker Strecke. Mit dabei der, weit und breit, älteste Wohnwagen von 1928 mit Bleiglasfenstern.
Wir schauten auch im „neuen Fahrerlager“ und auf der „Cherry Lane“ vorbei. Coys hatte hier zur Versteigerung geladen – unüblich war allerdings, dass jeder ins Zelt und an die zu versteigernden Fahrzeuge konnte. Im Angebot waren tolle Fahrzeuge welche zweifelsohne atemberaubende Preise erzielt haben. Im Dycker Feld stellten verschiedenste Old- und Youngtimer-Clubs aus.

 

Alles in allem ein sehr gelungenes Event. Das Ambiente ist einfach klasse und passt wunderbar zu den ausgestellten Fahrzeugen. Die Rennveranstaltung lief eher am Rande ab. Immerhin sorgte sie für tollen Sound und Abgasgerüche. Es ist dann aber doch eher ein Schaufahren nach dem anderen. Im Vergleich zum FoS und Revival kann Schloss Dyck da leider nicht mithalten. Die Atmosphäre auf dem Revival ist jedoch noch besser – viele Besucher sind in historischen Gewändern unterwegs, die Aufmachung von Ständen und der Einsatz von Schaustellern machen es einzigartig, einmal ganz abgesehen von den Rennen in historischen Fahrzeugen und dem Fakt, dass man um die gesamte Rennstrecke gehen und so in jeder Kurve hautnah dabei sein kann. Die Classic Days auf Schloss Dyck können dafür mit einem weitläufigen, landschaftlich-reizvollen Gelände und dem wunderschönen Schloss als Kulisse punkten.

Fazit: Die Classic Days auf Schloss Dyck zählen sicher zu den besten Oldtimerveranstaltungen in Deutschland und gehören deshalb in jeden Terminplan eines Oldtimerenthusiasten. Wem es gefällt, der sollte auch unbedingt eine Reise zum Goodwood Revival in Betracht ziehen. Lohnenswert sind ebenfalls das Festival of Speed und das Members Meeting.


Tobias Hoffmeister ist Mitglied im W124 Club und stolzer Besitzer eines C124 230E und eines Mercedes L409, Ihr findet Ihn bei Instagram unter @zwokommadrei und @viernullneun

Gastbeitrag: Frau Steiner

Gastbeitrag von Manuel Thiel (Instagram: mbeltham)

Wir sind etwas aufgeregt, so öffentlich waren Mensch und Maschine bisher nicht. Sieht man von einem kleinen Instagram Account ab. Der Wagen und ich sind zwei bescheidene Schwaben. Der Besitzer ist kaum eine Mopf Version älter als der mobile Begleiter selbst. Um diesen Kauf etwas besser zu verstehen, zuvor eine kurze Vorgeschichte zum Prozess. Der vorherige Daily Driver war ein blauschwarzes E220 Coupe – der Besitzer hat ihn sehr geliebt. Statt ihn wegzustellen (der C124 hieß Sir John), hat er ihn jedoch schweren Herzens weiterverkauft. Wozu abstellen – wäre er doch dem Verfall vollends zum Opfer geworden. Sein hübsches Exterieur entsprach leider nicht dem schwerwiegenderen Befall der Unterhaut. Bei allem Idealismus sollte diesen Wagen dann eben noch ein 9. Besitzer hoffentlich genauso würdigen. Beim Abschied flossen zum ersten Mal Tränen aufgrund eines Blechfreundes. Dennoch gab es auch vorsichtige Glücksgefühle Richtung Traumauto welches sich bereits in der Verkaufsphase des aktuellen Untersatzes ankündigte.

Ein perlmuttgraues 300er Mopf1 124er-Coupe mit vulgärer roter Lederausstattung und einem Feuerwerk für SA-Fetischisten. Der Blauschwarze hatte sich überraschend schnell verkauft, im Gegenzug zog sich der Kauf des vermeintlichen Traumautos hin. Die Skepsis wurde größer. Der Verkäufer des Porno-Coupes, wie es schon einige Bekannte nannten, wollte das Fahrzeug nur im einwandfreien Zustand abgeben,nach Ankündigung ernsthafter Kaufabsicht folgte ein erheblicher Defekt der Klimaanlage. Um es kurz und schmerzlos zu machen, nach fast 3 Monaten geduldiger Warterei und autoloser Zeit zerstörte der letzte Anruf des Verkäufers den Traum vom fast perfekten W124 Coupe. Der dem Vernehmen nach lebenserfahrene, arrivierte Verkäufer entschied sich nach einer nicht enden wollenden Odysee gegen den Verkauf seines Heilig Blechle. Sehr stilvoll. Den folgenden Unmut, um es milde auszudrücken, kann sich ein jeder Autoliebhaber ausmalen.

Es formulierte sich langsam wieder der Grundgedanke, die ursprüngliche Intention, den neuen alten Alltagswagen betreffend. Selbstverständlich sollte es wieder ein W124 werden, bestenfalls ein 220er. Abgesehen von der Motorkabelbaum- UND Zylinderkopfdichtungslektion dank Sir John (bisher hatte man eben Glück) schien diese Wahl doch am wirtschaftlichsten, schwäbisch gesehen. Es sollte eine Limousine werden, waren doch bis auf selbige und das Cabrio alle restlichen Varianten schon einmal garagentechnisch vertreten. Schnörkellos sollte sie sein, trotzdem ein Mindestmaß an Ausstattung – Airbag und zwei elektrische Fensterheber. Was braucht es mehr. Das Objekt durfte gebraucht sein, obgleich noch so ansehnlich, dass man sich nicht gänzlich schämen müsste. Die emotionale Bindung bliebe, bedingt durch die W124-esque Mittelmäßigkeit also homöopathisch. Hagelwetter, sonstige autophil behaftete Ängste sollten ausbleiben, davon wollte man diesmal schlichtweg befreit bleiben.

In alter Alf-Cremers-Manier konnte sich demnach garantiert schnell irgendwo ein unvernünftiger Schnapper finden lassen, der man(n) für ein bis zwei Jahre von A nach B brächte, nicht mehr und nicht weniger. Dank stetiger Plan-B Rücklagen auf einschlägigen Gebrauchtwagenbörsen fand sich sogleich ein avisiertes Exemplar. Eine bornitfarbene Mopf2 Limousine mit einer Austtattung, die der des Traumcoupes SA-technisch noch um ein paar Kreuzchen überlegen war. Unfassbar. Der ungeliebte Farbton nivelliert die zu verhindernde potentielle Bindung durch die opulente Austtattung, also alles okay. Gleichermaßen unfassbar war die Begutachtung des Objektes, war jenes doch wieder ein Paradebeispiel an erschütterndem Live-Ist-Zustand im Vergleich zum medialen Auftritt. Ein so schlechtes Exemplar war dennoch ein Novum. Diese neuerliche Enttäuschung provozierte auf der Heimfahrt die Erinnerung an eine weitere Mopf2 Limousine, die bereits beim Erstkontakt anhand der Bilder ad acta gelegt wurde, aber auf dem Weg lag. Schlimmer konnte es ja nun nicht mehr werden.

Freudensprünge löste sie nicht aus, aber auf einem kleinen Dorf wohnend musste dringend ein automobiler Notuntersatz her. Das Wetter war perfekt, die laue Abendsonne gepaart mit der ewig optimistischen Ader sah zusammen mit den Schafen,die zur Linken standen und somit dem Glück entgegenwinkten, Licht am Horizont. Die Limousine stand hinter dem Haus, als ob man es bereits aufgegeben hatte, den Wagen an den Mann zu bekommen. Falsche Inseratsangaben rächen sich, wer möchte schon ein Schaltgetriebe. Allerdings war es nur ein E200, Muttern zufolge sollte man PS-technisch nicht absteigen. Egal. Gezeichnet mit den Spuren zweier Vorbesitzer deutlich fortgeschrittenen Alters, stand der E200 da – mit einem Stolz und einer Grazie, dass einem ganz ehrfürchtig wurde. Bizarr.

 

Meine Begleitung (die Mama – Probefahrten wurden zur Mutter-Kind quality time) und ich sahen uns an, grinsten und nickten. Nach unzähligen Probefahrt-Touren mussten diese Dinge nicht mehr verbalisiert werden. Wenn Objekte eine Seele haben konnten, dieses Auto hatte definitiv eine. Mit Händen und Füßen hat man es dann zusammen mit dem unglaublich freundlichen, aber der deutschen Sprache nicht mächtigen Aushilfsverkäufer zu Montage der roten Nummer geschafft. Man hatte freilich keine großen Erwartungen, aber die Probefahrt verlief überaschend problem- und geräuschlos. Er fühlte sich wertiger an, als Preis und optischer Zustand vermuten ließ. Man fühlt es einfach. Nach einer herrlich unromantischen, abgeklärten Begutachtung, ohne vollständige W124-Vorsichts-Klaviatur stand er nun garnicht mal so schlecht da. TÜV noch über ein Jahr, gute Reifen…bremst, fährt, lenkt. So wurde aus dieser Nicht-Kauf-Ambition ein überraschender Notfall Hit, der zwar noch eine Nacht überschlafen werden wollte aber zugegebenermaßen schon vorher besiegelt war. Nettigkeiten wie Tempomat, ein drittes Bremslicht, Sportlederlenkrad mit passendem Wählhebel und die heiß geliebten glanzgedrehten Felgen taten in Eintracht mit der intensiven Strahlkraft des Autos ihr übriges. Dieser Mercedes wollte unbedingt zu mir, wir haben es letztendlich alle gespürt. Ich hörte sie schon, die Unkenrufe meiner Mitmenschen. Rentnerbeige (Rauchsilber), eine Limousine, “Wie alt bist du?”, Spießer! Gegen derartige Ausfälle ist man mittlerweile gottseidank immun, nicht jeder versteht ein altes Auto. Man wird reifer und frecher, die Preisverhandlungen waren für den Verkäufer erniedrigend. Man war nun auch einmal am Zug. Im Endeffekt jedoch von Erfolg gekrönt. Der Händler wollte ihn loswerden, man entwickelt ein Gespür dafür.

Nach einer notwendigen Säuberung des Innenraums – man hatte noch nie zuvor ein so schmutziges Automobil gekauft – strahlte dieser Wagen erfreulicherweise eine ungeahnte Frische aus. Auch die ersten Kilometer im nun neuen, alten Alltagswagen brachten erfreuliche Erkenntnisse mit sich. Ja, man hatte einen W124 mit mehr optischer Patina als gewünscht für ein Handgeld gekauft – vieles spräche dabei für fortgeschrittenen Dachschaden, so etwas machte man doch nicht. Aber das ganzheitliche Fahrgefühl, ein straffes Fahrwerk, Lenkungsspiel, selbst der Blinkerhebel, die Fensterheber, alles forderte Nachdruck und zeugte von einer Jungfräulichkeit die bisher selten erfahren wurde und bot eben jenes Gefühl von Faszination und Solidität, für das der Daimler steht. Warum wir Mercedes kaufen. Welch ein Geschenk.

Was zur Namensfindung zum Neuerwerb führte. Frau Steiner. Älter, vom Leben gebeutelt, aber doch so monumental würdevoll und augenzwinkernd erhaben, wie es nur sein kann. Sie steht vorne etwas höher. Man hatte mit den Großeltern zu viel Steiners Theaterstadl geschaut, so stand nun Frau Gerda Steiner-Paltzer in automobiler Form im Hof. Man nennt das wahrscheinlich Nostalgie. Doch wird auch die Moderne im Youngtimer gern gesehen, die Infrarot-Schließanlage ist angenehmer neuer Komfort. Hoffentlich wird sie niemals ihren Dienst quittieren. Man ahnt es, die Grundidee des Kaufes in emotionaler Hinsicht wurde mit jedem weiteren Kilometer dahingerafft. Nach einer weiteren Station von Bonding zwischen Mensch und Maschine nach Art der Gebrauchtwagen-Profis, wurden die ramponierten Stellen etwas aufgehübscht. Rostbehandlung und Lackauftrag waren eine weitere Premiere für den Neubesitzer, aber wer nicht wagt der nicht gewinnt und schlimmer konnte es ohnehin nicht werden. Die quintessenzielle Lektion dieser Autobeziehung ist demnach folgende – ungeachtet dem Zustand des Objektes, carlove bleibt carlove, Mercedes bleibt Mercedes und eine spirituelle Bindung entsteht, ob lebendes Objekt oder nicht. Auch wenn diese Worte belächelt werden. Frau Steiner steht also für jene Gefühle gegenüber einem Automobil die kaum in Worte zu fassen sind, aber viele verstehen. Dieser Hauch besagter Nostalgie, das alte Deutschland, das ein 80er Jahre Kind noch ansatzweise nachempfinden kann, aber ebenso beherrscht ein W124 den Spagat hin zum postmodernen Kulturgut. Zum Hipster-Symbol dient dieser Wagen allemal und ist noch lange nicht am Ende seiner ideellen Laufbahn. Vielleicht symbolisiert Frau Steiner den Charakter des Besitzers ganz auf ihre Weise, von menschlicher Imperfektion aber essentiell humaner Grundausttattung.

Die Beziehung geht wünschenswerterweise über die angepeilten 2 Jahre hinaus, Frau Steiner läuft nun schon ein Jahr lang bis auf eine Wasserpumpe problemos und Freude provozierend. Es stehen jedoch große Entscheidungen an. Umfassend investieren oder lediglich erhalten bis zum würdellosen Ende. Der Optimist hat eine schöne Idee. In jedem Fall sind der Besitzer und Fr.Steiner auf Hilfe und einer guten Portion Idealismus angewiesen. Doch sind wir das nicht alle…

Gastbeitrag: Felix W124 220E

Dies ist der erste Beitrag in einer Reihe, in der wir Gastautoren bitten, Ihre Schätze und die dazugehörige Geschichte zu erzählen. Das Fahrzeug hier ist ein W124 220E, also der Baureihennachfolger des Namesgebers dieses Blogs in der gleichen Farbe signalrot (568).

Hier nun also die Geschichte von Felix, erzählt von seiner Besitzerin Jasmin:


Hallo, mein Name ist Felix, ich bin ein Mercedes Benz 220E, Typ 124. Gebaut wurde ich September 1992, im Oktober desselben Jahres kam ich als Dienstwagen nach Berlin (ja, auch in Farbcode 568 signalrot kann man ein Dienstwagen sein). Nach zwei angenehmen Dienstjahren wurde ich 1994 in den Ruhestand nach Frankfurt geschickt und kam von dort aus in liebevolle Rentnerhände… doch das Schicksal hatte noch Großes mit mir vor und deswegen gibt es jetzt erst mal einen Zeitsprung zum 03.05.2013.

Ich stand mir schon seit einem Jahr erst bei Mercedes, später bei einem Kleinstautohändler, die Räder kaputt, der Lack wurde rosa und stumpf, mir taten die Gelenke weh und meine Kehle war staubtrocken. An diesem Tag im Mai kam eine junge Dame zu diesem Autohändler.

Ich stand ziemlich weit hinten, versteckt zwischen all diesen jungen Hüpfern… hu hu, hier bin ich, junge Dame guck doch bitte mal zu mir… schade, ging geradewegs in den Büroconatiner… oooooohhhhh, sie kommt zu mir, hübsch ist sie 😉  und hinter ihr tatsächlich der Händler (ein netter Herr war das, ich kann nicht klagen) und er hat da noch so einen Kasten in der Hand???  und meine Schlüssel. Tatsächlich, die Dame möchte eine Probefahrt mit mir machen, ich freu mich wie verrückt. Der Händler machte meine Motorhaube auf und steckte diesen Kasten an meine Batterie. Ich spürte, wie das Leben durch meine Leitungen floss und ich sprang zufrieden schnurrend an (was keine Selbstverständlichkeit nach einem Jahr war). Ich spuckte und rauchte erst mal sämtlichen Dreck aus dem Motorraum (ja, ich war von Anfang an Feuer und Flamme für die junge Dame), dann durfte ich endlich nach Monaten auf meinen eigenen Schuhen wieder laufen, ich durfte sogar mal kurz auf der Autobahn wieder rennen, ihr glaubt gar nicht wie gut das tat. Nur nicht ausgehen durfte ich, ich war noch etwas schwach mit der alten Batterie. Auf einem Supermarktplatz hielt die junge Dame dann an und bewunderte mich in Ruhe und sie sprach sogar mit mir. Sollte es tatsächlich möglich sein, dass jemand verstand, dass wir Autos auch Seele und Gefühle haben? Leider war die Fahrt viel zu schnell vorbei und ich wurde sehr traurig, dass ich wieder alleine auf diesem Platz mit diesen jungen Hüpfern war, hoffentlich kommt sie wieder…

Und tatsächlich, schneller als ich zu wagen glaubte, stand sie 3 Tage später wieder in diesem Bürocontainer und es dauerte lange, bis sie wieder rauskam. Aber sie ging nicht einfach weg, sie kam zu mir und streichelte sanft meinen Kotflügel und erzählte mir, dass sie mich gekauft hat, noch ein paar Tage Geduld und dann muss ich nie wieder auf diesen Platz.

Ein paar Tage Geduld später bekam ich eine neue Batterie, einen neuen Kühler und am 15.05.2013 wurde ich angemeldet. Endlich bekam ich einen vollen Bauch, ein paar Tage später frisches Öl, neue Brems- und Kühlflüssigkeit.

Mein neues Frauchen nannte mich die ersten Tage Elli, nach dem Vornamen der Vorbesitzerin. Sie ist eine kluge Frau, denn sie nahm den Fahrzeugbrief in die Hand und fand heraus, wo ich früher wohnte. Sie rief dort an und eines der ersten Sätze, die meine Vorbesitzerin sagte: „Ja, wir hatten mal einen roten Mercedes, er wurde Felix genannt. Ich hatte schon Angst, dass er nach Afrika exportiert wurde. Bitte pflegen sie ihn genauso gut, wie wir es die letzten 18 Jahre taten. Mein Mann hat Felix immer gute Nacht gewünscht oder ihm den Kotflügel gestreichelt“. Bis heute kann ich nur bestätigen, dass meine neue Besitzerin sich diese Worte zu Herzen nimmt, meinen alten Namen beibehielt und auch sie herzt mich oder wünscht mir vom Balkon aus gute Nacht. Mich hat mein erster Eindruck nicht enttäuscht, sie versteht wirklich, dass wir Autos Gefühle haben.

2013 war ein relatives ruhiges Jahr, wir lernten uns näher kennen, mein Lack und meine eklatante Roststelle hinten links wurden von ihr vorsorglich behandelt. Außerdem bekam ich frische Winterreifen spendiert, Hauptsache ich durfte und konnte endlich wieder Kilometer verspeisen (ich war noch ein Teenager mit 153.000 km) und mit den Sommerreifen von 2002, 2005 und 2007 war kein Land zu gewinnen.

2014 kam eine kleine, aber weitreichende Änderung auf uns zu: ich durfte Kumpels kennen lernen. Auf einem sogenannten Alt-Mercedes-Stammtisch (Mercedes Stammtisch Hofheim). Wow, wir waren geflasht, dass es so viele Gleichgesinnte gab. Bis heute sind wir regelmäßig dabei, man tauscht sich aus, lernt neues altes Blech kennen und ich  profitiere sogar davon, denn dadurch kam ich  in gute Hände was Werkstatt und Karosserie angeht (es gibt tatsächlich Leute, die wissen mit unseren alten Autos nichts anzufangen). Viele Freundschaften sind entstanden, Abenteuer und Ausfahrten haben wir gemeinsam erlebt. Auch 2014 war ein relativ ruhiges Jahr, ich bekam neue Traggelenke vorne und eine neue Wasserpumpe, der übliche Service wurde gemacht.

2015 war ich zum ersten Mal schwer krank und musste im Mai zum Karosseriebauer. Der Rost nagte heftig an mir, mein Blechkleid schmerzte mich. Es wurden die neuralgischen Punkte bearbeitet: Wagenheberaufnahmen, Türen und mein Seitenteil  hinten links frisch gemacht. Nur einen Monat später „schmuste“ sich ein Motorrad an meine rechte Seite und machte mir die Türen kaputt. Aber hey, es ging wieder zu den Wunderpfötchen namens Karosseriebauer und wie meine Besitzerin strahlte, als sie mich im Juli dort abholte, ich werde es nie vergessen. Aufgrund meines heiklen Farbtons in Rot bekam ich eine Rundumlackdusche inklusive Klarlack. Ich strahlte regelrecht zurück und hab mich gefühlt wie ein junges Kind. Was übrigens gut zu den neuen Alufelgen passte, die ich im Mai von meiner Besitzerin geschenkt bekomme habe.

 

2015 war auch ein trauriges und gleichzeitig glückliches Jahr für mich: meine Vorbesitzerin verstarb, aber ich durfte trotzdem nochmal ihre Tochter wiedersehen. Was hat sie sich gefreut, dass es mir so gut ging und ich in so gute Hände gekommen bin. So erfuhr auch meine jetzige Besitzerin, dass ich bereits 2007 so gut wie nicht mehr gefahren wurde, weil der Vorbesitzer gestorben war und seine Frau nicht fahren durfte. Da die Familie aber mich so geliebt hat, fiel eine Trennung schwer, aber sie musste 2012 stattfinden. Und so kam ich eben 2013 zu meiner heutigen Besitzerin…

Kommen wir zu 2016, da wurde ich ein 2. Mal schwer krank. Mein Nervenkostüm spielte nicht mehr mit nach so vielen Jahren und so blieb ich im Februar mit einem kapitalen Elektronikdefekt liegen.

Habe ich erwähnt, dass meine Besitzerin schlau ist? Sie wusste sofort, woran ich kränkelte, leider wurden wir in der Spezialwerkstatt nicht erhört und so dauerte es 2 Monate, bis ich wieder gesund war. Mein Waschdüsenkabelbaum war defekt (meine Besitzerin hat es so vermutet), eine Sicherung war defekt, aber die Werkstatt beharrte darauf, dass es der Motorkabelbaum ist. Meine Besitzerin ließ beide Kabelbäume tauschen(war ja nicht mehr der Jüngste) und mir geht es seitdem wieder richtig gut und bin inzwischen ein 200.000 km Auto, aber noch lange nicht am Ende.

Inzwischen muss ich auch nicht mehr in irgendwelche Werkstätten, sondern lass es mir in der Werkstatt vom Stammtisch gutgehen. Mir geht es besser denn je, ich bin in liebevolle und fürsorgliche Hände gekommen, die sich nicht zu schade sind, auch selbst tätig zu werden und meine Räder oder das Öl zu wechseln. Ich weiß, die junge Dame hatte am Anfang große Bedenken, ein Mercedes ist doch teuer und dann bin ich noch ein großes Auto, aber wir sind zusammen gewachsen und ich wünsche mir, dass ich bei ihr alt werden darf (sie will auch gar kein anderes, neueres Auto).

2017 hat nun begonnen, ich habe wieder einen Schaden abbekommen hinten rechts, durfte wieder zu meinen Wunderpfötchen, aber ansonsten war es bisher ein ruhiges Jahr. Ich werde fast jeden Tag gefahren und das ist genau mein Ding… ich bin gespannt, was wir noch für gemeinsame Erlebnisse haben.