Der Tragödie erster Teil

Eigentlich wollten Frank, Florian und ich an diesem Samstag Abend ein bisschen STAR-Diagnose betreiben (Diagnosesystem von Mercedes) und ich wollte mal auf der Bühne nach dem Kabel für den Öldruckschalter schauen. Und Florian sagte noch: “Ach lass uns doch mit W203 fahren, der hat eine funktioniernde Klima …

Rückblende

Der Öldruck im Kombiinstrument zeigte vor ca. 8 Wochen teilweise Öldruckwerte zwischen 1 und 2 bar bei Teillast an (z.B. Tempo 50 bei leichtem Gas), jedoch schwankend und unkorreliert zur Motordrehzahl.

Nach Messung des Widerstands mit dem Herrenfahrer war klar:  Der Widerstand liegt bei 200 Ohm, Öl ist klar und hell, es findet sich kein Öl im Kühlwasser, Öleinfüllstutzen hat kein Schaum, Metallpartikel oder sonst was -> das muß ein Elektronikproblem sein. Und siehe da: Zwei Wochen später zeigte der Öldruckgeber wieder normale Werte im Kombininstrument an.

Widerstandswerte des Öldruckgebers
Öldruck 0 bar 1 bar 2 bar 3 bar
Widerstand ≈ 10 Ω ≈ 69 Ω ≈129 Ω ≈184 Ω

Quelle: W124 Archiv  (Öldruckgeber hat die gleiche Teilenummer).

Tathergang

Der W140 war dann seit Ende Juni mein DailyDriver und er lief ohne irgendwelche Probleme als wunderbares Sommerauto, seither bin ich rund 600km gefahren.

Die 70km von Nord-Pankow bei Tempo 60 bis 120 nach Groß Kreutz über die A10 lief das Dickerchen wie ein Neuwagen:

  • Seidenweicher Lauf
  • Normale Temperatur
  • Öldruck auf 3
  • Ölstand OK, kein Schaum im Öleinfullstützen, keine Partikel im Öl, kein Öl im Kühlwasser, etc.
  • Keinerlei Geräusche, weder Rasseln noch Klopfen noch sonst was > und wir hatten auf der Landstraße die Scheiben offen (wegen der defekten Klima :-))

Parken dann vor der Einfahrt zur Hölle bei Frank mit standesgemäßer Wandbemalung von “Farbspiel künstlerische Gestaltung”.

Themenabend

Das Thema des Abends sollte ja die STAR Diagnose sein. Das wollten wir am W140 S320 von Frank testen. Das Thema war schnell erledigt, da nur ein Kabel mit OBD Stecker dabei war und keines für den W140 🙈. Der W203 von Florian hätte einen OBD Stecker gehabt …. ( “ach wären wir doch mit dem W203 gefahren …” )

Öldruckkabel

Also, dann rauf auf die Bühne und mal nach dem Öldruckschalter geschaut. Das Kabel wurde bereits repariert (blau). Man muß erkennen, dass viele Kabel im unteren Bereich recht mürbe sind.  Scheint zu funktionieren, könnte aber auch eine Fehlerquelle sein.

Herzstillstand

Das mit dem Kabel  war also geklärt, also nun runter von der Bühne und das verdiente Garagenbier geöffnet, so der Plan.  Und dann das: Der W140 springt nicht mehr an: Alle Lampen leuchten vor dem Anlassen auf, betätigt man den Anlasser werden diese dunkel.

– Denkpause –

Theorie: Die Batterie!

Die Batterie ist zu schwach -> kann ja evtl. sein, das die bei der Hitze evtl. zuviel bekommen hat.

  1. Versuch: Start mit Booster
  2. Versuch: Start mit zweiter Batterie (Danke an Andreas für’s Holen).
  3. Versuch: Start mit Überbrückungskabel von zweitem Auto

Ergebnis: Fehlanzeige!
Diagnose: Starter fährt aus (Magnetventil zuckt), schafft es aber nicht den Motor anzudrehen.

Nächste Theorie:

Der Starter ist defekt. Um 20:00 Uhr beschließen wir den Starter zu wechseln. Ich erstarre in Ehrfurcht und Schock und Florian ist so liebenswürdig und langt ins Innere. Ich darf den Werkzeugreicher spielen.

Diagnose: Der Starter ist warm und ist relativ schwer zu drehen und fährt nicht vollständig zurück.

Theorie: Es könnte sein, dass dieser mitgelaufen ist und dadurch einen Schlag hat.

Dann wird es Weihnachten: Frank zaubert aus seinem Fundus einen Anlasser mit der gleichen Teilenummer aus einem M117 😍😍😍 … der Funktiontest: Na also, jeeet doch!! 🙂

Dann wird der Starter eingebaut, gestartet – und siehe da: Dieser Anlasser reisst den M119 an!

Aber dann das: Ein metallisches, klopfendes Geräusch von unten.

Da mir in diesem Moment die Gesichtszüge entglitten und wir den Motor sofort wieder ausgemacht haben, habe ich kein eigenes Video erstellt. Daher hier ein Video, was dem Geräusch nahekommt:

Diagnose: Klopfgeräusch kommt von hinten/unten, nicht von vorne. Es ist ein metallisches Schlagen und kein Rasseln oder Sägen. Das Geräusch wird nicht lauter, wenn man den Öleinfüllstutzen öffnet.

Theorie: Der Starter passt nicht genau, es steht irgendetwas über. Was anderes wurde ja nicht verändert.

Daraufhin haben wir den Starter auf Schleifspuren untersucht und vermeintliche Überstände am Starter beseitigt.

Noch zweimal ein und ausgebaut, mit Schublehre verglichen, leider  ohne Erfolg, das Geräusch bleibt :-(.

Theorie: Irgendetwas blockiert den Motor, deswegen konnte der erste Starter den Motor nicht mehr drehen.

Wir haben dann gegen 22:30 abgebrochen und Frank war so freundlich, uns seinen Volvo zu leihen, damit wir nach Hause kommen ( “ach wären wir doch mit dem W203 gefahren …” ).

Die nächsten Schritte:

  • Prüfung per Endoskop in Wandlerglocke und Zylinder, ob Behinderung zu erkennen ist
  • Manuelles Drehen des Motors ohne Kerzen und analysieren des Geräusches

Hier geht es zu Teil 2

 

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